„Diese Tulpe, von der ich spreche, und die ich, indem ich spreche, ersetzte.“ von , in .

Kreidlers Arbeiten können als Verschiebungsbewegung gedeutet werden: Das Sujet wird ersetzt durch den Titel, der ersetzt wird vom Bild, dessen Teil er wiederum ist, das abermals ersetzt wird durch die Dimension, die aus dem Bild hinausweist. So streng bei den Leinwand­arbeiten die Form eingehalten ist und an der Ober­fläche einheitlich wirkt, so individuell schafft Kreidler in jedem Bild eine Strategie der Bezüge. Das können wörtliche Abbildungen bekannter Sujets sein (Sunset),  assoziative Anregungen durch übertriebene Zeichen­setzung (Aura), das kann ein imaginäres Klangereignis sein (Memorial), ein ironischer Kommenar zu einem einfachen Vorgang (Effect), ein Pseudo-Liedtext (you) oder ein abstrakteres Ensemble (I knew it) – mit  dem Vokabular entstehen immer Einzelfälle. Hier laufen  die Fäden der Notations von John Cage, der konzep­tuellen Malerei, des Minimalismus und des Hard Edge in einer ganz speziellen Gestalt zusammen. Weitere
Ausdrucksweisen sind dann die mit Noten versehenen Fotos. Filme mit Notationsminiaturen als quasi Untertitel für Gehörlose und von echter Musik begleitete Slideshow-Installation, um Noten erweiterte Geld­scheine, kunsthistorische Klassiker wie L´Origin du Monde in Notationselemente aufgelöst und Perfor­mances mit Powerpoint-Folien. Die Ästhetik der Sheet Music setzt Kreidler konsequent in verschiedenen Medien und Darbietungsformen als eigene Weltsicht um.